// Midway Space Invaders - Restaurationsdauer 15.05.15 - 08.10.15 //

Space Invaders ... das Kultspiel überhaupt!
In diesem Fall handelt es sich um die Midway Version, die 1978 veröffentlicht wurde.


Der Zustand des Automaten war schrecklich:
+ sehr schöner Background
+ guter Zustand des Moon
+ unverbastelt
+ komplett (außer PCB)

- Gehäuse hat Wasser abbekommen
- Holz an vielen Stellen aufgequollen
- ein Backdoor fehlt, eins defekt
- keine Schlüssel
- Stellfüße fehlen und Aufnahmen ausgebrochen
- Monitor mit eingebranntem Bild
- Monitorchassis mit defektem Zeilentrafo
- viele Teile verrostet
- Marquee in schlechtem Zustand
- Controlpanel "zerfressen"

#Zustand vor der Restauration

Hier zunächst einige Bilder, die den Zustand vor der Restauration zeigen.








Das Spiel erkennt man bei diesen Einbrennungen auch im ausgeschalteten Zustand.

#Gehäuse

Also dann mal ans Werk! Das Gehäuse wurde an einigen Stellen richtig nass.
Der obere Teil des Gehäuses löste sich komplett auf.


Daher wurde die alte Farbe - die bereits völlig abblätterte - heruntergeschliffen und alle losen Holzteile gelöst.



Danach wurde erstmal alles ordentlich verleimt.


Auch an der Unterseite musste zuerst wieder verleimt werden.



Alle größeren und kleineren Macken wurden mit einer 2K-Spachtel mehrmals aufgefüllt und geschliffen.



Nachdem alles ausgebessert war, wurde das komplette Gehäuse leicht angeschliffen.



Danach wurde teilweise frisch Grundiert, damit der Lack später richtig hält.


Im nächsten Schritt mussten die Farben (2x rot, 1x blau) ermittelt werden.



Ich habe keine fertigen Stencils gekauft, sondern mit Maskierfolie und Klebeband gearbeitet.
Dies musste natürlich für jede einzelne Farbe wiederholt werden.




Jede Farbe wurde zwei mal aufgetragen. Nach jeder Farbe musste mind. einen Tag pausiert werden.
Ansonsten wäre die Farbe mit der nächsten Maskierung wieder abgegangen.

Diese Gehäuserestauration war die Aufwändigste, die ich jemals gemacht habe!
Zum Glück kann sich das Ergebnis sehen lassen.


Hier noch ein paar Details. Die Kanten sind sehr gut geworden.



#Rückwand

Bei dem Cab gibt es zwei Rückwände. Eine größere (unten) und eine kleine (oben).
Die kleine Backdoor war noch vorhanden, allerdings durch den Wasserschaden unbrauchbar geworden.
Daher habe ich zwei Spanplatten besorgt und diese mit einer Oberfräse bearbeitet.



Danach wurde auch hier grundiert und dann mehrmals farbig gestrichen.


Die Lüftungsgitter wurden gereinigt. Und für die zweite Rückwand wurden neue gemacht.


Zum Schluss wurden noch die Schlösser montiert und ein neues Backdoorsheet gedruckt und festgetackert.



#Stellfüße

Auf eigenen Füßen konnte der Space Invaders schon lange nicht mehr stehen.
Alle Stellfüße fehlten und alle Kanthölzer waren ausgebrochen.
Daher mussten die alten Kanthölzer erst einmal raus.


Danach wurden die neuen Kanthölzer eingeleimt und neue Stellfüße angeschraubt.


#Trafo und Verkabelung

Die Verkabelung war noch original und fast komplett unverbastelt.
Allerdings war der Trafo stark verrostet und die Kontakte mussten ebenfalls gereinigt werden.


Also eine sichere Verkabelung sieht anders aus!


Also erst einmal alles ausgebaut.



Der Trafo wurde abgeschliffen und neu lackiert. Der restliche Kabelbaum wurde komplett gereinigt.
Teilweise mussten die Drähte um 10cm gekürzt werden, da sich Korrosion breit machte.


Dann noch neue Beschriftungen für die Sicherungen und wieder alles zusammengebaut.
Am Trafo wurde dann auch von 220V auf 230V umgeklemmt.


Der Unterbrechungsschalter an der Backdoor wurde überbrückt.
Hier habe ich neue Kabelschuhe spendiert und wieder korrekt angeschlossen.

#Powersupply

Das Netzteil sah ebenfalls sehr übel aus. Feuchtigkeit hat ihre Spuren hinterlassen.



Im ersten Schritt wurden die alten Kondensatoren durch neue ausgetauscht.
Da diese Werte nicht mehr erhältlich waren, habe ich leicht höhere Werte und in radialer Bauweise genommen.


Außerdem zerbrachen sämtliche Dioden bei der kleinsten Berührung. Also auch diese ausgetauscht.


Der LM305 dient zur 5V-Regulierung - direkt mit getauscht.


Ein erstes Messen der verschiedenen Spannungen brachte eine große Ernüchterung.
Keine Spannung war korrekt! Daher habe ich den 2N3055, 79M05UC und den 78M12UC geprüft.
Alle drei waren defekt. Da hat es wohl mal einen Kurzschluss gegeben! Also die Bauteile ausgetauscht und den Kühlkörper schwarz nachlackiert.


Danach habe ich nochmals die verschiedenen Spannungen gemessen:
12V-Schiene


-5V-Schiene


+5V-Schiene


Oh oh! Da stimmt ja was gewaltig nicht!
Nochmals alle Bauteile geprüft und Schaltplan gecheckt: alles ok.
Letztlich habe ich hier einen Phantomfehler gesucht.
Die Leerlaufspannung ist bei diesem Netzteil einfach so hoch.
Nachdem ich eine 14V-Glühbirne angeschlossen hatte, war genug Last auf 5-Schiene.


Jetzt funktionierte alles, bis auf die Regulierung der +5V.

Laut Schaltplan wird die Ausgangsspannung der Widerstände und des Potis zurück zum LM305 geführt.
Dieser Widerstand hatte keinen Durchgang mehr. Optisch war dem Widerstand nichts anzusehen!


Nach dem Einbau eines neuen Widerstands konnten die 5V nun korrekt eingestellt werden.


#Controlpanel

Im nächsten Schritt wurde das CP und sämtliche Befestigungen entfernt.
Die Spannverschlüsse waren total verrostet. Daher habe ich diese zuerst sandgestrahlt und danach poliert.



Danach wurde das eigentlich CP ebenfalls zerlegt.



Der Aufdruck war zwar noch relativ gut erhalten, leider war das Blech zerfressen.


Daher habe ich mit meinem Kumpel (Werbetechniker) überlegt, wie wir ein Repro erstellen können.
Eine Datei habe ich im Netz gefunden, welche ich optimiert habe.
Dann das Problem: als Hintergrund kommt eine Aluoptikfolie zum Einsatz.
Der Druck kommt auf eine transparente Folie, welche auf die Alufolie geklebt wird.
Das funktioniert auch super. Nur sind die Farben viel zu blass.

Daher haben wir folgende Lösung erarbeitet:
1. Die farbigen Bereiche werden aus der Aluoptikfolie ausgeplottet.


2. Die gleiche Plottdatei wird auf einer weißen Folie durchgeführt.


3. Die weißen Teile aus der weißen Folie werden nun in den ausgestanzten Bereich der Alufolie eingeklebt.


4. Die eigentliche Grafik wird auf eine transparente Folie gedruckt.
5. Die transparente Folie wird auf die Alufolie aufgeklebt.
6. Die kompletten Folien auf das vorbereitete Alublech kleben.


Ich finde, das Ergebnis spricht für sich!


#Moon und UV-Licht

Der Moon war noch sehr schön erhalten und musste lediglich gereinigt werden.


Die UV-Röhre funktionierte zwar noch, wurde aber gegen eine normale Leuchtstoffröhre ersetzt.


Die Halterung hatte ebenfalls starken Rost angesetzt.
Daher habe ich diese ebenfalls mit dem Drahtbürstenaufsatz bearbeitet und schließlich frisch lackiert.




Als Ersatz für die UV-Röhre muss zwingend eine weiße UV-Röhre benutzt werden!
Eine schwarze UV-Röhre würde nicht genügend Helligkeit erzeugen und der Moon würde nicht leuchten.
Die Röhre habe ich in Deutschland für knapp 9€ inkl. Versand bekommen.



Der Starter wurde selbstverständlich auch ausgetauscht.
Aber Vorsicht! Der Starter muss für 115V ausgelegt sein.


Zum Abschluss wurde der Moon gereinigt und wieder alles zusammengebaut.


#Coindoor

Auch die Coindoor musste wieder zu neuem Glanz finden.
Die Logoplate war stark verkratzt und musste erneuert werden.
Überall war wieder Rost zu finden.



Außerdem war die Coindoor nach innen gebogen. Da halt wohl jemand dagegen getreten.


Also erstmal wieder den ganzen Lack runter. Teilweise mit Drahtbürstenaufsatz für die Bohrmaschine, teilweise mit dem Sandstrahler.


Die Münzführung war ebenfalls verrostet und aufgerissen.


Zur Abwechslung musste der Rost runter und poliert werden.





Der Rückgabeknopf war völlig festgerostet und nicht mehr zu bewegen.


Hier wurde gerade mit Hammerschlaglack lackiert.


Nachdem der Lack getrocknet war, wurde wieder alles zusammengebaut.


Zum Schluss habe ich noch die Logoplate reproduziert.
Dazu habe ich zunächst ein Messingblech ausgeschnitten.


Auf dieses Blech wurde dann das Logo aufgeklebt.
Am Schluss noch auf die Coindoor geklebt und die polierten Nieten wieder eingesetzt.


#Marquee

Das Marquee war durch den Einsatz falscher Leuchtmittel schwer beschädigt worden.
Der Vorbesitzer muss dass Marquee mit silbernem Lack ausgebessert haben.
Außerdem sind die Farben ausgeblichen.


Für den "Bonus-Award-Einsatz" wurde der original Einsatz verwendet.


Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen!


#Marquee-Beleuchtung

Für die Marquee-Beleuchtung musste die Halterung zuerst gereinigt und frisch lackiert werden.


Hier hat jemand einfach mal verschiedene Glühbirnen reingestopft.
Daher wurde das Marquee auch beschädigt.


Die original Glühbirnen haben 14V und einen BA9s Sockel.
Mit den richtigen Birnchen wird es dann auch wieder hell.



Damit kein Streulicht nach unten scheint, wird noch ein Dichtband aufgeklebt.


#PCB

Die original Spieleplatine war leider nicht bei dem Cab dabei.
Auch die Suche in mehreren Foren war sehr zäh.
Als dann endliche eine Platine in eBay Amerika auftauchte, wollte der Verkäufer nicht nach Deutschland versenden.
Daher wieder weitersuchen. Schließlich hat jemand aus den USA zwei Space Invaders Deluxe angeboten.
Da er noch mehrere Platinen eingestellt hatte, habe ich ihn angeschrieben.
Tatsächlich hatte er noch eine auf Lager :)
Ein paar Tage später durfte ich die Platine beim Zollamt abholen.


Der optische Zustand war sehr gut.


Es waren sogar noch die originalen EPROMs verbaut.


Auch die original Metallhalter waren vorhanden. Diese wurden ein wenig aufpoliert.


Danach folgte ein erster Funktionstest. Das Spiel und Bild funktionierte fehlerfrei - dachte ich zuerst.
Beim genaueren Hinsehen fehlt die oberste Zeile mit der High Score Beschriftung.


Außerdem fehlte ein Sound: Alien Hit Sound.
Die Ursache hierfür war ein defekter LM3900 auf Position K4.


Nach dem Austausch waren wieder alle Sounds zu hören.

Die komplette Reparatur der Platine ist hier zu finden. Space Invaders Repair-Log

#Chassis und Monitor

Die Bestandsaufnahme des Monitors und Chassis war erschreckend!
Überall Rost und einige mechanisch defekte Teile. So war bspw. die Width-Spule abgerissen
und der Ferritbügel des Zeilentrafos abgerissen.




Da ich glücklicherweise ein zweites Chassis dazu bekommen habe, habe ich aus zwei eins gemacht.
Defekte Transistoren ausgetauscht, Width-Spule getauscht, alles gereinigt.



Zum Schluss auch die Röhre und Kontakte gereinigt.


Das "Neckboard" war ebenfalls defekt und musste gerichtet werden.


Selbstverständlich darf das so nicht bleiben.
Einmal sandgestrahlt und frisch lackiert:


Nachdem alles gereinigt und wieder zusammengebaut war, sah das ganze wieder gut aus.


Dann folgte das erste Einschalten und Luft anhalten!
Zum Glück ging nichts in Rauch auf.
Also zuerst die korrekte Betriebsspannung von 73V eingestellt.


Da ich noch keine PCB hatte, musste ich mir eine Testmöglichkeit überlegen.
Das Chassis verarbeitet Standard-Composite-Signale. Daher habe ich einen DVD-Player angeschlossen.


Ein erstes Bild war zu erkennen, allerdings war dies nicht richtig gesynced.
Nach einigen Minuten justieren hatte ich endlich ein perfektes Bild!
Natürlich gespiegelt - gehört in diesem Fall aber so ;)


Nachdem die PCB angeschlossen war, viel noch ein weiteres Problem auf.
Ein Teil des Bildes wird gespiegelt und verzerrt dargestellt.
Hier stimmt was mit der horizontalen Bildlage (H-Timing) nicht.


Mit dem Oszilloskop wurde daher nachgemessen.
Signal 1 (unten) hängt am Syncsignal der PCB, Signal 2 (oben) misst den "Rückschlagimpuls"
in der Nähe des Zeilentrafos. Die Signale sind synchron.


Daher wurde ein Fehler auf dem Chassis immer unwahrscheinlicher.
Die Lösung des Problems lag letztlich an der Einstellung des horizontalen Bildfangs.
Dieser wird mit L1 auf dem Chassis eingestellt. Ich habe so lange gedreht, bis ich ein stabiles Bild hatte.
Dreht man nun weiter, kann man das Bild fast 5cm verschieben.
Nachdem das Bild nun korrekt war, musste noch die Größe und Lage korrekt eingestellt werden.
Die H-Lage wird übrigens mit den Metallringen an der Röhre eingestellt!
So sieht dann das Ergebnis aus:


#Fazit

Das Endergebnis kann sich wirklich sehen lassen!
Allerdings hat das Aufarbeiten des Gehäuses deutlich mehr Zeit gebraucht, als zuerst gedacht.
Hinzu kamen mehrere Rückschläge.
Aber ich bin glücklich und stolz einen originalen Space Invaders zu besitzen!






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